Schwarzpappel

Forum zum Thema: Schwarzpappel

dickste schwarzpappel gefällt (martin 27.01.2005 20:06)

ich bin aus speyer in der rheinebene und vor ein paar tagen wurde der dickste baum der südpfalz hier in speyer gefällt. der baum war weit über die region hinaus bekannt, über 2m durchmesser, eine höhe von ca.30m. der gesundheitszustand war gemessen am alter vom über 200 jahren erstaunlich gut. die fällung wurde von zuständigen bundesförster veranlasst und das umweltamt speyer hat ohne prüfung durch einen gutachter der fällung zugestimmt. der baum stand unter naturdenkmalschutz und war die älteste und dickste echte schwarzpappel (kein hybrid) und jetzt ist er weg.
ein bild der pappel werde ich unter volgendem link ablegen: http://www.erde2000.com/schwarzpappel

re: dickste schwarzpappel gefällt. (Andreas 18.02.2005 21:58)

Ich wundere mich über Ihre Ausdrucksweise in dem Artikel unter dem anmgegebenen Link. Den zuständigen Bundesförster, den sie sicherlich nicht kennen, mit solchen Beleídigungen zu belegen, entbehrt jeder zwischenmenschlichen Kompetenz.

re: grosse schwarzpappel gefällt (Andreas Rudow 27.04.2005 08:38)

Guten Morgen Herr Ebel

Danke für ihre Info und Fotos von dieser mächtigen Schwarzpappel.

Die Fällung des Baumes ist bedauerlich, sie mag aber auch Gründe haben. Ich
könnte mir vorstellen, dass die Gefährdung von Fussgängern durch die vielen
Totäste des Baumes begründet sein könnte. Die reale ausgehende Gefahr ist
dabei zwar relativ gering, zumal die Totäste eigentlich nur bei
Sturmereignissen abbrechen (nur nach Jahren ohne tüchtigen Sturm steigt die
Gefahr von spontanen Astabbrüchen). Aber wir leben eben immer noch in einer
Zeit, in der viele Menschen nicht bereit sind der Natur ihren Platz
einzuräumen - passiert etwas, wird sofort nach einem Verantwortlichen
gesucht. Die Forstbehörde hat diesbezüglich den Schwarzen Peter, trägt die
Verantwortung und muss sich an diesen gesellschaftlichen Auftrag halten.

Aus Sicht der Erhaltung der seltenen artreinen/ursprünglichen Art
Schwarzpappel ist ein Einzelbaum weniger von Bedeutung als die nachhaltige
Verjüngung mit artreinem Material (Leben = werden - vergehen - werden etc.).
In diesem Zusammenhang ist es in Gebieten mit nur wenigen artreinen
Schwarzappeln wichtig, das Erbgut von abgehenden Individuen über Stecklinge
zu sichern, wie Sie das in lobenswerter weitsichtiger Weise ja schon getan
haben. Für die Verwendung der Stecklinge würde ich versuchen, mit der
Förstbehörde zusammen zu arbeiten: wenn Sie Verständnis für deren Arbeit
aufbringen und niemandem auf die Füsse treten, finden Ihre Anregungen und
Ihr Engagement sicher Anklang und sie können für die langfristige Erhaltung
einer gefährdeten Art sensibilisieren. Ausserdem können Sie gemeinsam
Standorte finden, an denen die jungen Schwarzpappeln vielleicht ihrerseits
wieder 200 Jahre alt werden können. Übrigens: aus dem Wurzelteller der alten
Scharzpappel dürfte diesen Sommer eine grosse Mengen an Wurzelbrut und an
Stockausschlägen austreiben - bleibt zu hoffen, dass einer der Triebe stehen
gelassen wird und zum (Ersatz-)Baum heranwachsen kann.

Apropos alt werden: die Ökologie der Schwarzpappel interessiert uns vom
Projekt SEBA natürlich sehr und jede Information kann ein wichtiger
Puzzlestein sein. Sie geben für das gefällte Exemplar ein Alter von über 200
Jahren an. Eventuell haben Sie die Jahrringe ausgezählt? Wie ist die
Jahrringentwicklung?: eher gelichmässige Jahrringbreiten über das ganze
Leben? oder gibt es eine kontinuierliche Abnahme der Jahrringbreiten? oder
gibt es grosse Schwankungen: Jahrzehnte mit breiten Jahrringen nach
Jahrzehnten mit schmalen? Im Bereich des Stammfusses ist so eine Ansprache
schwierig, weil in den Wurzelanläufen die Jahrringe aufgeblasen werden -
eine Stammquerschnitt etwas höher am Stamm ist dafür besser geeignet. Wenn
Sie dazu mehr Informationen haben, möchte ich Sie bitten, uns diese zukommen
zu lassen. Besten Dank.

Nach Abschluss der zweiten Feldphase unseres SEBA-POP-Projektes werden Sie
auf unsere Website sicher wieder News zu den Schwarzpappeln in der Schweiz
finden.

Freundliche Grüsse
Andreas Rudow

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Projekte SEBA, SEBA-POP, EFFOR2
Professur Waldbau, D-UWIS
ETH Zentrum, HG F 23.1
8092 Zürich
Tel: +41 01 632 32 13
Fax: +41 01 632 10 33
Email: andreas.rudow@env.ethz.ch
Internet: www.seba.ethz.ch
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Schwarzpappel Speyer (martin 03.05.2005 21:21)

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Hallo Herr Rudow !

Ich habe etwa zwanzig Prozent der Ringe ausgezählt und dann hochgerechnet. Die 200 Jahre waren wohl noch nicht ganz erreicht, 170 oder 180 Jahre war wahrscheinlich das Alter des Baumes als er gefällt
wurde. Ich werde versuchen die Ringe genau auszuzählen, dazu ist es zuerst noch erforderlich, an einem Teil der Schnittfläche, eine entsprechende Oberflächenbehandlung durchzuführen. Ich werde Ihnen dann die exakten Daten und Bilder zusenden.
Das mit der Forstwirtschaft und der Verantwortung bei Personenschäden ist mir schon bekannt, aber ich beschäftige mich seit 15 Jahren mit dem Artenschutz und ich habe eine genaue Kenntnis vom wirklichen Zustand dieses Baumes und der Wälder im Ganzen. Alle befragten Fachleute waren sich einig, das dieser Baum nicht gefällt werden musste. Die Vorgehensweise der zuständigen Behörden hat unter anderem den für den
Auwald zuständigen Fachmann vom Landespflegebeirat zum Rücktritt aus Protest gebracht. Auch die Begründungen der Verantwortlichen bei Forst und Umweltamt wechselten mehrmals und konnten alle keiner neutralen Prüfung standhalten. Die Verkehrssicherheit kann nicht jedes mal als Begründung herhalten, um beispielsweise willkürlich eine ganze
Landzunge zu roden und umzupflügen. Da war ja kein Mensch unterwegs in der Gegend, also wer sollte da schon besonders gefährdet sein. Die Zerstückelung des Beweisstückes A, dem Stamm der Schwarzpappel, fand
genau zu dem Zeitpunkt statt, als ein neutrales Gutachten über den Zustand eingefordert wurde. So schafft man kein Vertrauen und es spricht auch nicht für die Möglichkeit sich mit denen Förstern zu arrangieren. Zur Zeit ist eine EU-Beschwerde im Gange, da die vielen
Versuche einer Zusammenarbeit mit den Forstämtern zu keinem Ergebnis geführt haben. Nur die Einsicht ist gewachsen, dass Natur- und Artenschutz und und somit auch die Fachleute aus diesen Bereichen, keinen Zugang zu den Gehirnen dieser \"Götter in Grün\" haben. Ich möchte wirklich niemand auf die Füsse steigen, aber was zu weit geht, das geht zu weit. Alle Umweltschutz- und Baumfachleute, genau so wie alle Bürger, die sich dazu vor Ort geäussert haben, waren auch der Meinung,
dass diese Fällung nicht erforderlich gewesen wäre. Es kann nicht sein, dass in einem geschützten Biotop gewirtschaftet wird, als wäre das ein ganz normaler Forstwald und Leute, die eine entsprechende, anerkannte
Ausbildung haben, werden nicht gehört oder stets übergangen. Der Forst verstösst auch weiterhin gegen geltendes EU-Recht und interessiert sich einen Dreck für die Meinung der Umweltschützer. Die Fällungen
beziehungsweise Rodungen gehen in der selben Art und Weise weiter, das wird vielleicht bald mit der Rodung von 100 Hektar geschütztem Auwald, für eine Verlängerung der Flugplatzlandebahn auf Wunsch der BASF, seinen Höhepunkt erreichen. Das alles kann und wird wohl hier in Speyer in kürzester Zeit (10 Jahre) zum Verlust der letzten natürlichen Auwälder führen. Seit über einem Jahr habe ich mehrmals bei unserem Umweltamt eine Prüfung einiger Einzelbäume beantragt. Diese Bäume brauchen einen Status als geschützter Landschaftsteil, Naturdenkmäler also. Seitdem gab es mehrmals die Zusage, in den kommenden zwei Wochen eine Ortsbegehung zu machen, das ist jedoch bis heute nicht passiert. Das weiterhin Altbäume gefällt und verkauft werden bringt mich immer wieder dazu, am klaren Verstand der Verantwortlichen zu Zweifeln, und
ich bin der Meinung das dieser Zustand sich grundlegend ändern muss. Das Ausschlachten der Baumbestände in Ostdeutschland, nach der
Wiedervereinigung bis in die Mitte der 90er Jahre, hat gezeigt, dass das aktuelle Gesetz keine schützende Funktion für Naturdenkmäler und Wälder hat. Die riesigen Altbäume wurde als erstes nach Westen
abtransportiert und zu Möbeln verarbeitet, ein Thema das damals nichtmal in den Medien diskutiert wurde. Es kann auch jetzt nicht richtig sein, das Forstwirte im Biotop Auwald und in anderen vergleichbaren geschützten Gebieten, gemäss ihrer Vorstellung von
Waldwirtschaft arbeiten und gleichzeitig alle Fachleute, die wirklich etwas von der Besonderheit dieser Landschaftsteile verstehen, kein Gehör finden. Der Auwald muss ein Bannwald werden und die kommerzielle
und unsachgemässe Bewirtschaftung durch die Forstämter ist meiner Meinung nach ein schweres Verbrechen an der Natur und somit auch am Mensch. Wie Beispiele überall auf der Welt belegen, ist ein Urwald ein sich selbst erhaltendes System, da lässt man am besten die Finger davon. Die Förster müssen lernen, dass bei Einsätzen im Auwald die Axt, die Säge und der Vollernter zu Hause bleiben müssen. Das Natur auch
anders funktioniert, das kann jeder bei einem Besuch der wenigen Bannwälder in Deutschland verstehen lernen. Förster können auch zum Ranger ausgebildet werden, im Naturpark Eifel ist das schon geschehen. Diese Ranger sagen sogar selbst, dass sie den Wald und auch den Schutz der Wälder ganz anders sehen und beurteilen als zuvor. Hier noch ein kleiner Auszug aus der Bilanz der vergangen Tage im speyerer Auwald, die Jahresringe dieser Bäume habe ich genau ausgezählt, es ist aber nur
ein kleiner Bruchteil der Gesamtzahl gefällter Bäume, quasi die Spitze des Eisberges:

Mindestens 6 Eichen im Alter von 112, 112, 121, 133, 135, 141 Jahren.
Mindestens 8 Eschen im Alter von 116, 118, 123, 128, 128, 132, 134, 134 Jahren.
Mindesten 1 Weissdornstrauch im Alter von über 50 Jahren.
Mindesten 3 sehr alte Weiden, zwei davon bestimmt auch schon über 100 Jahre alt.

Die Eichenbestände im Auwald sollten ausgebaut werden (Vortrag vom Forstamt Speyer in der Sitzung des Umweltausschusses am 17.2.2005) und es wurde darauf hingewiesen, das es starke Probleme mit der Aufzucht
der jungen Eichen gibt. Warum jetzt mehrere über Hundert Jahre alte Eichen der Säge zum Opfer fallen mussten ist nicht nachvollziehbar. Wenn es Holz von bester Qualität war, dann hat der Tod dieser Bäume
vielleicht 5 Cent pro Speyerer in die Stadtkasse gespült. Gratulation, was für eine tolle Leistung von unserem Forst- und Umweltamt. Leider geht dadurch unser letzter natürlicher speyerer Urwald im Salmengrund Stück für Stück verloren. Zu Ihrer Anmerkung \"Aus Sicht der Erhaltung der seltenen artreinen/ursprünglichen Art Schwarzpappel ist ein Einzelbaum weniger von Bedeutung als die nachhaltige Verjüngung mit artreinem Material (Leben = werden - vergehen - werden etc.)\" möchte ich etwas sagen. Das ist ja nicht unrichtig, aber ich versuche ganz bewusst alle Lebewesen als einzigartiges Individuum zu erkennen und gerade in diesem Fall geht es um eine der ältesten Schwarzpappeln, also auch besonders um den
Schutz dieses Einzelbaumes, denn dem ältesten der Art gebührt ein besonderer Respekt, genau wie bei älteren Menschen, die sollten auch mehr Respekt und Pflege bekommen. Beides ist in Deutschland selten und
wird immer seltener. Da könnte man doch auch vom ältesten Menschen noch einige Klone erzeugen und ihn dann umlegen. Mir stellen sich seit Monaten immer wieder die Haare im Nacken, wenn ich so etwas höre, als
hätten die Alten weniger Schutz und Rücksichtnahme nötig, ich finde diese Logik Lebensverachtend und einfach zum Kotzen.
Bis dann und danke für die rasche Antwort,
Martin Ebel


P.S: Die Bäume sind die Riesen im Reich der Pflanzen. Sie geben uns die Luft zum Atmen und Früchte als Nahrung, wir können nur leben wenn und weil es Bäume gibt. Wenn wir Ihnen zuhören und Sie verstehen lernen,
dann geben sie uns sogar Ruhe, Frieden, Liebe, Kraft und Ausdauer, dafür sollten wir allen Bäumen ewig dankbar sein.
Ich würde mich lieber von einem Baum erschlagen lassen, als ihn fällen zu müssen.
Die schönste Weide die ich kenne:

http://www.erde2000.com/weide

Wird Sie jemals ein Naturdenkmal, oder
steht Sie tief genug im Wald, um den kreischenden Motorsägen zu entkommen?
Der Schöpfer dieser Erde wird ein Auge auf solche gefühlsarme Menschen haben, die diese Wesen behandeln wie Eigentum und er wird eines Tages
auch diesem Schlag Menschen die Augen öffnen.

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Wen das interessiert, der kann ja ab und zu mal auf der Webseite vorbeischauen, ich werde versuchen, einen Teil meiner Zeit dafür zu verwenden, die Informationen über meine eigenen und auch andere Natur- und Artenschutzprojekte zugänglich zu machen. Interessante Links zu anderen Webseiten werde ich auch gerne mit einbinden, wer da was findet, bitte melden !

http://www.erde2000.com
http://www.erde2000.com/auwald
http://www.erde2000.com/schwarzpappel
http://www.erde2000.com/weide

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